21. Woche – noch 65 Tage
“Den Artikel mit den noch fehlenden Tagen gibt’s dann in ein paar Tagen.”
Wie versprochen melde ich mich heute mit der Aufarbeitung der noch fehlenden Tage zurück. Und die haben es wirklich in sich, was man recht schnell bemerkt, wenn man sich die folgenden Fotos anschaut.
Es hieß ja schon recht lange, dass sie mich unbedingt auch nochmal auf unser Crocodile Adventure schicken wollen, quasi als Leckerlie für die erbrachte Arbeit und so. Am vergangenen Freitag vor einer Woche war es dann auch endlich soweit. Nach langem hin und her wegen verfügbaren Plätzen erhalte ich um die Mittagszeit schließlich grünes Licht, dass ich sie nun endlich machen darf, unsere nächtliche Krokodil Tour. Also mache ich mich auch gleich nach dem Essen auf den Heimweg, um mich noch schnell umzuziehen und meine Cam einzupacken. Denn bereits um 15:30 Uhr treffe ich mich mit Jorge und Hernan (v.l.n.r. auf dem ersten Foto), um unser kleines Abenteuer zu starten.
Auf unserem Weg ins Biosphärenreservat Sian Ka’an laden wir noch schnell vier alaskianische Touristen, zwei Väter mit jeweils einem Sohn, von denen einer sogar 100%iger Eskimo ist, ein. Nach einem kleinen Abendsnack in Tulum, etwa zwei Stunden südlich von Cancún, geht’s direkt weiter zur Sian Ka’an’schen Lagune, wo auch schon Carlos, der Kapitän, auf uns wartet. Carlos arbeitet übrigens für die NGO Amigos de Sian Ka’an, mit denen wir all unsere Touren in diesem Reservat operieren.
Die folgenden Linien mögen auf den ersten Blick vielleicht ein bisschen makaber klingen. Schließlich fragt man sich ja schon, wie Ecotourismus und das Fangen von Krokodilen zusammepassen. Deshalb möchte ich alle Skeptiker gerne auf folgenden von mir in englischer Sprache niedergeschriebenen Artikel verweisen, der erklärt, dass mein Praktikumsbetrieb, EcoColors, diese Touren anbietet, um zusammen mit den Amigos de Sian Ka’an Studien zu den Krokodilvorkommen in den Lagunen und deren Gesundheitszustand durchzuführen. Wir kombinieren somit Tourismus mit Forschung, versuchen unsere Klienten aufzuklären und spenden auch einen gewissen Teil der Einnahmen für eben diese Studien. Von daher jetzt bitte nicht allzu schokiert sein.
Mit Einbruch der Dunkelheit legt unsere kleine “Lancha” (Boot) ab und wir machen uns schließlich auf die Suche nach dem größten Raubtier der hießigen Feuchtgebiete. Bewaffnet mit einem hellen Scheinwerfer und Kopfbeleuchtung durchleuchten Jorge und Hernan die umliegenden Gewässer. Das darf man sich in etwa wie bei Tieren vorstellen, deren Augen das Licht reflektieren und somit auch in der Dunkelheit erkennbar sind. Rehe auf einer einsamen Waldstraße zum Beispiel bewegen sich ja dann auch gar nicht, sobald sie vom Lichtkegel der Autoscheinwerfer erfasst werden. Das ist letztendlich auch die Art und Weise, wie man ein Krokodil, das ja bekanntlich nachtaktiv ist, aufspürt bzw. einfängt.
So finden wir auch gleich zu Beginn ein paar kleinere Tierchen, von denen wir auch eines zu uns an Board einladen. Hier erzählt uns dann unser Guide, Hernan, die ersten Anekdoten zu den Krokodilen. Jedoch stellt sich das ganze als ein ziemlich zäher Job heraus, da wir während der Bootsfahrt durch die komplette Lagune zwar immer wieder Augen in der Ferne erkennen, die dann allerdings wieder im Schilf verschwinden.
Erst nach gut zwei Stunden sichten wir zum ersten Mal ein größeres Exemplar, das im Lichtkegel “gefangen” ist. Durch die Motorengeräusche erschreckt, verdünnisiert sich unser Freund jedoch wieder, so dass wir ihm durch das Schilf folgen müssen, um ihn nach und nach müde zu machen. Im letzten Moment gelingt ihm jedoch die Flucht in die naheliegenden Mangroven. Als der Kapitän dann auch noch meint, dass ihm langsam der Sprit ausgeht, versickert nach und nach die Hoffnung, doch noch ein Krokodil zu fangen.
Auf dem Rückweg zum Steg dann aber doch noch der Clou: Im Schilf tauchen rot leuchtende Augen auf. “Das ist ein großes!” meint Hernan und gibt Carlos das Signal, die Verfolgung aufzunehmen. Nach und nach wird das Krokodil immer müder, bis wir es schließlich mit einer langen Stange mit einer Schlaufe am Ende nach einigen Minuten einfangen können. Bevor es Hernan mit der Hilfe von Jorge jedoch ins Boot hieven kann, klebt er dem Tier nach einem minutenlangen Kraftakt noch das Maul zu. Ist wohl auch besser, wenn man bedenkt, dass Krokodile weltweit den kräftigsten Mundschließmuskel besitzen. Dann beginnen die Messungen. Auf gut 50 Kilo wird unser kleiner Freund geschätzt und misst dabei stolze 1,71 Meter! Für alle, die es interessiert: Das Krokodil gehört der Art der Moreleti an, neben dem Acutus die einzige Sorte auf der Halbinsel Yucatán.
Da man die einzelnen Erklärungen zu zum Beispiel der Krokodilhaut und den Gliedmaßen am besten aufnimmt, wenn man selbst die Berührungsängste ablegt, dürfen wir das Tierchen nun also auch mal auf den Arm nehmen. Ein richtig krasses Gefühl, sage ich euch; einfach unbeschreiblich! Natürlich lassen wir das Krokodil nachdem wir die Daten aufgenommen haben, wieder frei und machen uns auf den Rückweg zum Anlegesteg. Alles in allem also ein richtig krasses Abenteuer, wenn nicht sogar DAS krasseste in meinem Leben!
Aber nun zu etwas ruhigerem, der traditionellen Posada im Hause Jenny, einer Arbeitskollegin. Hier ist das Thema zunächst zwar auch das Crocodile Adventure, doch dann nimmt die ganze Weihnachtsfeier langsam ihren Lauf. Der einzige Unterschied zur herkömmlichen Posada aus dem vergangenen Artikel besteht eigentlich in der Piñata, gefüllt mit Süßigkeiten, die wir im Lauf des Abends zerschlagen und einem netten Liedchen in Form eines Frage-Antwort-Spielchens, das die Leute vor bzw. im Haus trillern. Das Ende entspricht dann jedoch wieder dem aus dem letzten Bericht, nur mit weit weniger Jägermeister, dafür aber mit viel mehr Bier.
Im nächsten Bericht werden wir dann bereits alle Posadas hinter uns gelassen haben und feiern das richtige Navidad (Weihnachten). Achso, Fotos findet ihr wie immer hier. Insofern bis die Tage,
Euer el Señor…
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